EnEV 2014/2016

Seit dem 1. Mai 2014 ist es soweit: Wenn Sie als Bauherr einen Bauantrag einreichen, eine Bauanzeige erstatten oder eine nichtgenehmigungspflichtige Baumaßnahme beginnen ist die neue Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) für Sie verpflichtend. Auch wenn Sie Eigentümer einer Wohnung, Hauses oder sonstigen Bestandsgebäudes sind, oder als Vermieter, Verkäufer, Verwalter oder Immobilienmakler tätig sind betrifft Sie die neuen EnEV. Als Fachleute - Architekten, Ingenieure, Bausachverständige, Planer oder Energieberater eröffnet Ihnen die EnEV 2014 vielfältige neue und geänderte Aufgaben und Auftrags-Chancen. Einige hilfreiche Hinweise geben wir mit den folgenden Übersichten.

Effizienz-Häuser in der Praxis

Bauherren und Nutzer fordern vom Planer innovative Gebäudekonzepte, die ein hohes Maß an Energieeinsparpotenzialen und somit geringe Heizkosten aufweisen. Ökologisch nachhaltige Aspekte sollen berücksichtigt und solide Gebäudekonstruktionen mit einem hohem Werterhalt errichtet werden. Zu guter Letzt erhebt der Bauherr den Anspruch, sein Bauvorhaben ausgewogen wirtschaftlich zu realisieren. Daher fordert die stetige Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden heute, mehr als je zuvor, einen integralen Planungsansatz aller am Bau Beteiligten. Um die Energiebilanz eines Wohngebäudes grundlegend positiv zu beeinflussen, sollten die Transmissions- und dabei vorrangig die Lüftungswärmeverluste verringert werden. Luftdichtheitsprüfungen, der so genannte „Blower-Door Test“, sind seit der EnEV 2009 Standard bei jeder Planung und Bauausführung. Die Begrenzung der Transmissionswärmeverluste, der Energieverluste über die Gebäudehülle, sollte nicht nur über verbesserte Dämmqualitäten der Bauteile erfolgen. Im Regelfall stellt dieser Planungsansatz die unwirtschaftlichste Methode einer energie­optimierten Planung dar.

Effizienzhaus

Sobald die Wärmedämmung ein hohes Niveau erreicht hat, entscheidet maßgeblich die Effizienz der Heiztechnik über die Höhe des Primärenergiebedarfs. Die Transmissionswärmeverluste können für das Bauvorhaben deutlich wirtschaftlicher minimiert werden, wenn sämtliche Wärmebrücken im Einzelnachweis erfasst und nicht über einen pauschalen Zuschlag auf die gesamte Bauwerkshülle berücksichtigt werden. Bauteilanschlüsse gut gedämmter POROTON-Ziegelbauten entsprechen nicht nur den Forderungen an Wärmebrücken der DIN 4108 Beiblatt 2, sondern weisen oftmals eine energetisch höherwertige Qualität auf. Ohne Mehraufwand oder Änderung des konstruktiven Grundprinzips eines Bauteilanschlusses können somit die resultierenden Wärmeverluste über die genaue Berücksichtigung von Wärmebrücken quasi halbiert werden. Ein zusätzlicher Aufwand an Ingenieurstunden, die aus einem genaueren und intensiveren wärmeschutztechnischen Nachweis resultieren, amortisiert sich i.d.R. sofort durch die eingesparten Mehrkosten in der Ausführung, z. B. durch den Einsatz höherer Dämmstoffstärken, die aus pauschalen planerischen Ansätzen entstehen und keine höherwertige Energieeffizienz mit sich bringen.

Wesentliche Planungsansätze zur Steigerung der Energieeffizienz im Überblick:

  • Reduzierung der Lüftungswärmeverluste
    • Luftdichtheitsnachweis
    • mögliche Verwendung von Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung (WRG)
  • Verringerung der Transmissionswärmeverluste der Gebäudehülle
    • Bauteilflächenoptimierte Gebäudehülle (Beschränkung des Fensterflächenanteils) – Wärmedämmung auf hohem, jedoch wirtschaftlichem, Niveau
    • Einzelnachweis der Wärmebrücken
  • Einsatz energieeffizienter Anlagentechnik zur Beheizung und Trinkwassererwärmung
    • Anteiliger Einsatz erneuerbarer Energieträger
    • Verbesserung des Nutzungsgrades
Gebäudeenergiebilanz

Was ist neu? Wesentliche Neuerungen der EnEV 2014

Mit in Kraft treten der Novelle der Energieeinsparverordnung am 1. Mai 2014 werden grundlegende Änderungen gegenüber der EnEV 2009 auf den Weg gebracht. Zunächst beschränken sich diese Änderungen jedoch auf die Regularien bei der Erstellung von Energieausweisen und die Inbezugnahme flankierender Normen. Die für den Neubau von Wohn- und Nichtwohngebäuden relevanten Verschärfungen der energetischen Haupt- und Nebenanforderungen kommen erst ab dem 1. Januar 2016 zum Tragen.

  • Ab dem 1. Januar 2016 Anhebung der energetischen Anforderung um 25% für den zulässigen Jahresprimärenergiebedarf Q“p. Gleichzeitig verschärfen sich die Anforderungen an den Transmissionswärmeverlust H’T für Wohngebäude und die mittleren U-Werte für normal beheizte Gebäudezonen in Nichtwohngebäuden um 15-20%.
  • Keine Anforderungsverschärfungen bei Sanierung/Modernisierung gegenüber der EnEV 2009. Präzisierungen für Regelungen im Baubestand.
  • Einführung eines vereinfachten Nachweisverfahrens für nicht gekühlte Wohngebäude „Modellgebäudeverfahren“ (Veröffentlichung im Bundesanzeiger).
  • Änderungen im Nachweisverfahren zum sommerlichen Wärmeschutz gemäß Neufassung der DIN 4108-2:2013-02.
  • Registrierung der Energieausweise beim Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt), Berlin. Dazu ist online eine derartige Registriernummer durch den Nachweisführenden beim DIBt zu beantragen.
  • Einführung eines 3-stufigen Stichprobenkontrollsystems für Energieausweise und Inspektionsberichte.
  • Ausweitung der Aushangpflicht von Energieausweisen auf Gebäude mit starkem Publikumsverkehr ab 500 m² Nutzfläche, ab Juli 2015 mehr als 250 m² Nutzfläche.
  • In Energieausweisen für Wohngebäude werden zukünftig Energieeffizienzklassen hinsichtlich des Endenergiebedarfs in Klassen A+ bis H zusätzlich zum Bandtacho angegeben.
  • Einführung der Pflicht zur Angabe energetischer Kennwerte in Immobilienanzeigen.
  • Einführung der Pflicht zur Übergabe des Energieausweises an den Käufer oder neuen Mieter bzw. Vorlage des Energieausweises gegenüber dem potentiellen Käufer oder Mieter bei der Besichtigung.

Zielsetzung der Novelle - Gesetzliche Vorgaben

Sämtliche Mitgliedsstaaten der EU sind verpflichtet die Europäische Richtlinie über die Energieeffizienz von Gebäuden (EPBD) 2010/31/EU vom 19. Mai 2010 in allen Punkten in nationales Recht umzusetzen. Erklärtes Ziel ist die Schaffung von Mindeststandards für die Energieeffizienz von neuen oder renovierten Gebäuden. Sie zielt ab auf die Umsetzung eines Niedrigstenergiegebäude-Standards im Neubaubereich bis zum Jahr 2021 und der Umsetzung eines Sanierungsfahrplanes für Gebäude im Bestand, verbunden mit einer angestrebten Minderung des Primärenergiebedarfs um 80%. Wesentliche Elemente sind die Anrechenbarkeit der erneuerbaren Energien in den nationalen Berechnungsmethoden und eine plakative Darstellung von Energieverbräuchen in Form von Energieausweisen.

Am 13. Juli 2013 ist bereits das 4. Gesetz zur Änderung der Energieeinsparung (EnEG) als Grundlage der neuen EnEV 2014 in Kraft getreten. Fest verankert ist auch hier die Grundpflicht zur Errichtung von Neubauten nach einem bisher noch nicht detailliert beschriebenen Niedrigstenergiegebäude-Standards. Eine endgültige Festlegung dazu ist spätestens bis zum 01.01.2017 für Behördengebäude und bis zum 01.02.2019 für alle übrigen Gebäude in der Energieeinsparverordnung zu implementieren. In diesem Gesetz ist die Maßnahme der Umsetzung der EPBD bis zum Jahr 2020 und unverändert das Gebot der Wirtschaftlichkeit von Effizienzmaßnahmen enthalten.

Für neu zu errichtende Gebäude müssen parallel zu EnEV 2014 die Anforderungen aus dem EEWärmeG erfüllt werden. Damit werden die Bauherren verpflichtet, den Wärmeenergiebedarf neuer Gebäude anteilig mit erneuerbaren Energien zu decken. Die Nutzungspflicht kann dabei wahlweise durch den Einsatz von Solarthermie, Biomasse, Geothermie oder Umweltwärme, aber auch ersatzweise durch die Nutzung von Abwärme, Kraft-Wärme-Kopplung, Nah- und Fernwärmenetzen oder Energieeinsparmaßnahmen erfüllt werden. Kombinationen von erneuerbaren Energien untereinander und mit Ersatzmaßnahmen sind beliebig zulässig.

Energieanforderungen

Weitere Hinweise und aktuelle Informationen zur EnEV 2014, zur EU-Gebäuderichtlinie, zum EEWärmeG und anderen Themen rund um die EnEV finden Sie auch unter www.enev-online.de.